Mein Luna Yoga-Manifest:

ein zeitgenössisches Yoga

Die Wurzeln des Luna Yoga gehen auf das „klassische“ Yoga zurück, nichtdestotrotz freuen wir uns über die Modernität unserer Praktik. Wir glauben, dass eine Tradition gut ist, wenn wir sie uns zueignen machen können. Wie Gustav Mahler gesagt hätte: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“. Wir haben keine Angst respektlos gegenüber einem unberührbaren Schatz zu sein. Wir fühlen uns frei neu zu kreieren. Das beflügelt uns.

Wir möchten nicht gefolgt werden, wir laden jeden Menschen ein, seinen eigenen Weg zu gehen. Wir stellen einen Rahmen und Übungen bereit, die der Entfaltung des Einzelnen förderlich sind.

Luna Yoga war schon immer eine Mischform, inspiriert von verschiedensten Quellen. Vielfalt bedeutet nicht Zerstreuung, denn sie beruht auf wenigen einfachen Prinzipien:

- Balance Körper-Geist-Seele

- Sich sammeln / sich der Welt öffnen (Beide Prinzipien, die in der Tradition des Yoga verwurzelt sind

- Stärkung der Weiblichkeit (für Frauen, Männer und Transmenschen*) (Besonderheit des Luna Yogas)

Einige könnten unser Yoga als „einfach“ bezeichnen. So soll es sein. Die meisten unserer Übungen sind sehr zugänglich. Uns geht es nicht um akrobatische Stellungen, sondern um Vertiefung. Unser Yoga ist unspektakulär. Es gewährt ein Eintauchen in unseren Körper - im eigenen Tempo. Wir freuen uns, dass unser Yoga sanft und zugänglich für alle ist: Die einzige Bedingung ist, genug fit zu sein, um eine Spülmaschine zu leeren. Die Verletzungsgefahr und das Risiko, unvorbereitet mit psychischen Zuständen konfrontiert zu werden (z.B. durch intensivste Atemübungen) sind gering.

Ein wichtiger Teil der Ausbildung zur Luna Yoga-Lehrerin besteht darin, seinen eigenen Weg zu stärken und seinen persönlichen Stil für einen authentischen Unterricht zu finden. Deshalb mag der Luna Yoga-Unterricht zweier Lehrerinnen sehr unterschiedlich sein, auch wenn die Signatur „Luna Yoga“ erkennbar ist.

Ich sage „wir“, weil ich denke, dass das, was ich behaupte, das Wesen des Luna Yoga ist, obwohl ich nur für mich spreche.

Körper - Geist - Seele

 

Der spezifisch westliche Leib-Seele-Dualismus ist kein guter Schlüssel zum Verständnis des Körpers. Der Stellenwert der erhöhten Funktionen des Geistes (Rationalität, Berechnung) wird oft zum Nachteil der körpergebundenen Funktionen wie Intuition, Gefühl und Emotion überschätzt. Wir stufen auf einer Werteskala den Körper weniger hoch ein: Wir gehen davon aus, dass der Körper stillschweigend gesund zu sein hat. Als ästhetisches Objekt soll er sich gefälligst den Normen unterwerfen. Doch unser Körper ist weder ein Instrument, das einzig zu funktionieren hat, noch ein Objekt, dessen Bild ein Marker des sozialen Standes ist. Wir sind ein denkender Körper. Unser Körper ist die Tür zu allen Ebenen unseres Bewusstseins. Es gilt nicht, ihn zu verlassen, um „spiritueller“ zu werden, sondern ihn zu ehren und zu erkunden. Und das machen wir im Luna Yoga, mit Freude und Gelassenheit. Den eigenen Körper zu spüren verleiht Kraft.

Westlich?

 

Luna Yoga wurde von einer europäischen Frau für EuropäerInnen begründet. Wir leben in einer hypernormierten und hyperorganisierten Gesellschaft. Um ein Gleichgewicht überhaupt zu ermöglichen, bevorzugen wir Entspannung, Kreativität, Vergnügen der schmerzhaften Anstrengung. Einschränkende Disziplin und Ordnung sind uns nicht wichtig. In Indien mögen die Bedürfnisse anders sein.

Yoga?

 

Eine spannende Frage. Wenn wir einzig Asanas (Körperstellungen) betrachten, dann wäre die Antwort wahrscheinlich: Nein. Bis auf ein paar Positionen, wie beispielsweise der Lotussitz, beschreiben die antiken Yoga-Texte nur wenige Asanas, die wir heute im Hatha-Yoga (das körperbezogene Yoga, das grösstenteils im Westen praktiziert wird) und zum Teil im Luna Yoga üben. Ein grosser Teil der Asanas wäre nicht 2000 Jahre alt oder älter, sondern knapp 100!

Wenn es aber in unserer Yoga-Praxis darum geht, uns Sorgen zu tragen, auf unseren Körper zu lauschen, unsere Gedanken auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, das Gefühl für die Zugehörigkeit zu etwas Grösserem zu fördern, unsere Neigungen, von denen wir uns gefangen fühlen, zu hinterfragen und tiefe Veränderungen in uns willkommen zu heissen, dann: Ja. Dann praktizieren wir Yoga.

Yoga war auch in der Geschichte der indischen Spiritualität nie ein Ticket zur Befreiung. Dem Yoga stand wahrscheinlich die Tatsache zugrunde, dass unser Geist aus Widerstand in zehn verschiedene Richtungen wandert, wenn wir Introspektion praktizieren sollen. Es ging darum Mittel, zu finden, um die Konzentration zu fördern und die Meditation zu ermöglichen. Deshalb auch unsere heutige Faszination für das Yoga. Denn wir leben in einer Zeit der wahren Ablenkung.

​© 2019 nicolegianoli.ch

  

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